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Betttina Sommer/Geislinger Zeitung Gosbach /Geislingen Bremsen wegen einer roten Ampel? Heute nicht, wir haben freie Bahn! Wir, das sind großzügig aufgerundet 400 Skater. Wir bilden einen ungefähr 200 Meter langen Pulk und bewegen uns relativ wohlgeordnet auf dem rechten Fahrstreifen der B 466 von Gosbach in Richtung Geislingen.
Es ist das erste Mal, dass eine Bundesstraße im Kreis Göppingen für Skater freigegeben worden ist. Es wird wohl auch so schnell nicht mehr vorkommen. Umso mehr genießen wir unser Privileg: Unter unseren Rollen einwandfreier Straßenbelag, auf dem wir fast mühelos dahingleiten; keine anderen Verkehrsteilnehmer, auf die wir achten müssen; keine Randsteine, Pflastersteine, geschotterte Stellen. Für eine Stunde lang sind wir die Könige der Straße, eskortiert von Polizei und Ordnern auf Fahrrädern oder wie wir auf Inline-Skates.
"Filstal-Skating 2000" heißt diese Veranstaltung. Ähnliches gibt es unter anderem in Paris, in Berlin, in Stuttgart. Solche Fahrten machen Spaß, denn man ist unter Gleichgesinnten und kann ausgiebig seinem Vergnügen frönen. Solche Fahrten sollen aber auch deutlich machen: Die Zahl der Leute, die Inline-Skates als Fortbewegungsmittel benutzen, steigt, und deswegen wird über eine Änderung der Straßenverkehrsordnung diskutiert. Bis jetzt sind Skater eingestuft als "Fußgänger mit einem Spiel- und Sportgerät" und müssen Gehwege benutzen. Eine Alternative wäre, sie Radfahrern gleichzustellen.
Doch diese Überlegungen werden erst einmal unwichtig, wenn man als Inline-Skater in Gosbach, von der Umgehungsstraße nach Drackenstein kommend, ganz lässig auf die B 466 kurven kann. 14 Kilometer liegen bis zu unserem Ziel, dem Obi-Parkplatz in Geislingen, vor uns. Auf der Gegenfahrbahn müssen die Autos rechts heranfahren. Die Fahrer beobachten uns: Teils amüsiert, teils genervt, teils vollkommen gleichgültig. Wir aber sausen mit leuchtenden Augen dahin. Wir haben viel Platz für unsere Schwünge, das Wetter scheint zu halten, die Strecke hat ein leichtes Gefälle - alles prima. In Ditzenbach, in Deggingen, an den Ortseinfahrten zu Reichenbach, Hausen und Überkingen: Überall haben sich ein paar Schaulustige eingefunden und feuern uns an. Wer einen Bekannten entdeckt, hat nur Zeit für einen kurzen Zuruf - niemand will schließlich im Pulk zurückfallen. Später wird sich herausstellen, dass wir mit durchschnittlich 15 Stundenkilometern unterwegs waren. Ein Schneckentempo für die Könner, hart an der Grenze für die untrainierten “Sonntagsfahrer". Wir sind nämlich alles andere als ein homogener Haufen. Da sind Kinder jeglichen Alters, Familienväter und -mütter, ein Oberbürgermeister nebst Nachwuchs, Fitnessfreaks und Skater, die erst ein paar Tage auf den Rollen stehen. Alle werden die 14 Kilometer hinter sich bringen, niemand muss den “Besenwagen" besteigen und ein Stück des Weges auf ihm zurücklegen. Nach Hausen warten zwei Hügel auf uns. Erst müssen wir hinaufschnaufen, dann zeigt es sich, wer das Bremsen beherrscht. Übrigens verletzt sich niemand auf der Tour. "Es gab zu keiner Zeit eine brenzlige Situation",erfährt der Veranstalter Rainer Bosch später von der Polizei. Die hält uns zwar die Autofahrer vom Leibe, muss aber wie wir machtlos zusehen, wie sich da vor uns die dunklen Wolken über Geislingen zusammenbrauen. Wir haben unser Ziel schon vor Augen, da fallen die ersten Tropfen, ruck-zuck wird die Straße nass. Der allgemein herrschenden guten Laune tut das nicht den geringsten Abbruch. Es gilt, noch ein paar Meter Bundesstraße zu genießen, dann müssen wir bei der Ampel in den Neuwiesen nach links abbiegen. Ein letztes Mal bremsen wir nicht bei Rot.
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