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Stuttgarter Nachrichten 02.06.08

Im Schottenrock durchs Filstal

 3400 Teilnehmer beim 9. Skating-Lauf über 23 Kilometer
 

Gosbach - Wer am Sonntag im Landkreis Göppingen zwischen Gosbach und Gingen unterwegs war, konnte sie sehen: die rund 3400 Menschen, die am 9. Filstal-Skating teilnahmen. Über 23 Kilometer fuhren sie auf der Bundesstraße B 466, an Geislingen vorbei, insgesamt 162 Höhenmeter hinab.

VON JAN PETER

"Drei, zwei, eins, los!" 3400 Männer, Frauen und Kinder machen sich auf den Weg von Gosbach über Geislingen nach Gingen. 23 Kilometer Strecke liegen vor ihnen, 23 Kilometer, die sie auf Inlineskates hinter sich bringen wollen. Unter ihnen auch eine kleine Gruppe in seltsamer Aufmachung. Statt Sportkleidung tragen sie weiße Hemden und karierte Röcke, statt Sturzhelmen sitzen bunte Bommelmützen auf ihren Köpfen. Und während all die anderen Sportler Trinkflaschen und Rucksäcke geschultert haben, baumeln Dudelsäcke von den Schultern der sechsköpfigen Gruppe. "Wir machen das nur zum Spaß", erklärt der 46-jährige Paul Kern, warum er und seine Freunde sich für das 9. Filstal-Skating als Schotten verkleidet haben. "An Fasnet laufen wir auch so rum", sagt der Gosbacher und lacht.

Vor acht Jahren kamen zum ersten Mal Skater in das Filstal. "Damals waren es aber nur rund 250 Personen", erinnert sich der Veranstalter Rainer Bosch. Skater-Treffen fanden zur damaligen Zeit vor allem in großen Städten statt. "Wir wollten einfach mal was anderes machen", sagt Bosch. Denn immerhin sei es ja gerade die Landschaft am Rande der Strecke, die den Reiz des Filstal-Skatings ausmache. "Außerdem ist es ein Gemeinschaftserlebnis", erklärt er den Grund, warum Menschen an einem Sonntagnachmittag bei brütender Hitze zu Tausenden die Bundesstraße hinabrollen.

Olaf Uhlig kann das bestätigen. Seit sechs Jahren ist der 41-Jährige mehrmals in der Woche auf Rollen unterwegs, mittlerweile ist er ein Skater mit Leib und Seele und ein großer Freund von Massenveranstaltungen wie dieser. Am Vortag war der Münchner in Fürth beim sogenannten Autobahnskaten, einer ähnlichen Veranstaltung in Franken. Dennoch hat er sich es nicht nehmen lassen, heute in den Landkreis Göppingen zu kommen. Zum einen wegen der Landschaft. "Das ist einfach etwas anderes, als in einer Stadt zu fahren", sagt er. Vor allem jedoch wegen des tollen Gruppenerlebnisses: "Man trifft überall in Deutschland immer wieder die gleichen Leute." Eine echte Gemeinschaft unter Inlinern habe sich entwickelt.

Für Petra Winkler ist dies nebensächlich. Die Mutter ist heute mit ihren Kindern nach Gosbach gekommen. Und obwohl sie in voller Montur, mit Helm und Knieschonern, zum Startpunkt auf den Parkplatz rollt, will sie nicht mitfahren - der Kinder wegen. Dennoch kennt auch sie einen besonderen Reiz des Filstal-Skatings: "Der Asphalt ist einfach wahnsinnig gut, darauf fährt man wie auf Butter."
 

02.06.2008